Newsletter anfordern!

Neues aus dem Modellprojekt, allgemeine Infos rund um § 45d und der Agentur pflege engagiert - gleich anmelden!



Newsletter Übersicht

Inklusion und Demenz - Eine ungekannte Herausforderung

Die erste Generation von Menschen mit geistiger Behinderung erreicht nun das höhere Alter. Oft oder gerade wegen der geistigen Behinderung sind verstärkt auch Seniorinnen und Senioren von Demenz bedroht oder schon betroffen.

Mit "BesT" sollen Kontaktangebote für ältere Menschen mit Behinderungen und Demenz aufgebaut werden. An festen Tagen in der Woche sollen sich für drei Stunden feste Gruppen von Seniorinnen und Senioren mit und ohne geistige Behinderung und mit und ohne Demenz zu unterschiedlichen Freizeitaktivitäten treffen.

So soll Zugehörigkeit zur Gemeinschaft außerhalb des gewohnten Betreuungsrahmens geschaffen und Teilhabe erlebbar gemacht werden

Ausgangssituation

Im Vorfeld wurde ein Altersvorbereitungsangebot gestartet und eine Seniorengruppe trifftsich bereits einmal wöchentlich unter Mitwirkung von Freiwilligen. Es stehen barrierefreie Gruppenräume zur Verfügung, die für die Treffen genutzt werden können. Diese niedrigschwelligen Treffen finden außerhalb stationärer Wohneinrichtungen statt und werden durch ehrenamtliche Mitarbeiter begleitet. Das wöchentliche Freizeitangebot beinhaltet neben Freizeitaktivitäten und dem Erhalt von Alltagskompetenz (z.B. Kochen, Tischdecken, Abwaschen) auch Themen aus der Gesundheitsförderung und Bildung (z.B. bei Ernährungsfragen oder Bewegungs- und Gedächtnistraining). Zudem wird eine Entlastung durch Fortbildungs- bzw. Informationsveranstaltungen privat pflegender Angehöriger angeboten.

Ziel des Projektes

In einem ersten Schritt sollen die verschiedenen Möglichkeiten für Freiwillige, sich zu engagieren, ausgeweitet und das Anforderungsprofil präzisiert werden. Durch eine breite Palettean Möglichkeiten können zusätzliche Aufgabenfelder und Angebote entstehen. Mit Angehörigen wurden ergänzende Maßnahmen erarbeitet und besprochen, um weitere Elemente zur Unterstützung von Familien mit demenzerkrankten behinderten Menschen entwickeln zu können. Parallel dazu wurden verstärkt Netzwerkpartner, Multiplikatoren und Schlüsselpersonen gesucht, um das Angebot bekannt zu machen und zu kommunizieren.

Was wurde erreicht

Neben den bestehenden Behindertenhilfeeinrichtungen konnte ein intensiver Kontakt undAustausch insbesondere hergestellt werden zu/m/r:

  • Netzwerk Pflegebegleitung
    z.B. Fortbildungsangebote wurden gegenseitig bekannt gegeben und intensiv genutzt. Es fanden konstruktive Austauschgespräche statt.
  • Seniorenbüro der Stadt Freiburg
    z.B. durch Aufnahme unserer Angebote im Demenzkalender der Stadt Freiburg.
  • Evangelischen Sozialstation und Nachbarschaftshilfe
    Vorgespräche zu möglichen Synergien hinsichtlich Fortbildungen der freiwillig Engagierten. Vereinfacht wird dies dadurch, dass beide Institutionen seit November 2014 unter einem Dach arbeiten. Ein runder Tisch zum weiteren Ausbau der Zusammmenarbeit ist für Oktober geplant.
  • Zentrum für Geriatrie und Gerontologie
    Auch hier konnte die Zusammenarbeit intensiviert werden. U.a. wurde ein Kontakt indie Gruppe vermittelt. Der Teilnehmer aus dem häuslichen Bereich und seine Angehörigen konnten in der Gruppe hospitieren und wurden intensiv beraten. Leider passte später das Angebot zeitlich nicht.
  • Medizinischen Dienst
    Der Kontakt zum leitenden Arzt konnte aufgebaut werden und es wird im März ein Infogespräch über das Projekt für alle im Stadtbereich zuständigen Mitarbeiter stattfinden.
  • Seniorenbegegnungsstätten im Quartier
    Intensive Kontaktpflege und Austausch mit der Begegnungsstätte Heinrich Hansjakobhaus und Begegnungsstätte zum Münstermarkt. Jeweilige Angebote der Einrichtung und der Begegnungsstätten werden bekannt gegeben und es haben regelmäßige Besuche der Senioren in den Begegnungsstätten stattgefunden.
  • Regelmäßigen Wochenmarktbesuchen im Quartier
    Die Seniorengruppe ist mittlerweile durch regelmäßige Wochenmarktbesuche sehr bekannt und hat ein "Gesicht" im Quartier. Zum 20-jährigen Marktbestehen kam eine persönliche Einladung.

Seit Frühjahr 2015 werden regelmäßig Nachmittage der offenen Tür für interessierte BürgerInnen aus dem Quartier angeboten.

Es konnten zu den fünf Teilnehmenden sechs weitere Personen gewonnen werden, zwei davon aus dem häuslichen Bereich. Ein Teilnehmer ist aus terminlichen Gründen wieder ausgeschieden, so dass die Gruppe derzeit aus zehn TeilnehmerInnen besteht. Davon sind drei Teilnehmende von einer beginnenden Demenz betroffen. Ein Teilnehmer mit Demenzim II. Stadium wird durch eine Ehrenamtliche mit Aufwandsentschädigung begleitet. Der Teilnehmer wird zu Hause abgeholt und wieder nach Hause begleitet.

Ein Fortbildungsprogramm für 2015 wurde herausgegeben. Angebote und Inhalte wurden mit den Ehrenamtlichen abgesprochen.

Im Frühjahr ist ein Frühstückstreff für pflegende Angehörige durchgeführt worden, zu dem auch die Ehrenamtlichen und rechtlichen Betreuer eingeladen wurden. Das Treffen hat dasZiel, Angehörigen und Betreuern eine Austauschplattform zu bieten und durch den Austausch mit den Ehrenamtlichen über die Inhalte der Treffs zu berichten.

Das Angebot am Mittwoch-/Freitagnachmittag wurde erweitert um ein monatliches Erzählcafe am Mittwoch und um eine Gruppe für Gedächtnistraining am Freitagnachmittag.

In Absprache mit der Leiterin wird das monatliche Kegeln unseres Freitags-Treff in der Seniorenbegegnungsstätte Heinrich Hansjakobhaus geöffnet für interessierte SeniorInnen aus dem Quartier.

Das biografische Arbeiten mit den TeilnehmerInnen ist im Frühjahr mehr in den Fokus gerückt. Dafür konnte eine Studentin gewonnen werden, die ihre Bachelorarbeit zu diesem Thema geschrieben und in den Gruppen mitgewirkt hat. Die Studentin kommt seither montalich zum Erzählcafé.

Was ist geplant

Die aktuellen Angebote sollen in den nächsten Wochen und Monaten weiter ausgebaut und gefestigt werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird verstärkt bearbeitet.

Innovationspotential

Der neue Personenkreis – ältere Menschen mit einer geistigen Behinderung im Ruhestand – fordert neue Strukturen und stellt die Behinderten- sowie die Altenhilfe vor neue Herausforderungen. Das Projekt "Inklusion und Demenz" stellt zudem besondere Ansprüche andie Gruppenarbeit sowie an das Ehrenamtsprofil. Das Projekt geht weit über das herkömmliche niederschwellige Freizeitangebot in der Behindertenhilfe hinaus. Für Ehrenamtliche ist es unerlässlich, eine gute Qualifizierung zu durchlaufen, welche sich mit Themen wie Älter werden, Demenz, Umgang mit Sterben und Trauer, leichte Sprache, Rollstuhltraining und Biografiearbeit auseinandersetzt.

Die Ausgestaltung und Vorbereitung der Aktivitäten ist neben dem Führen und Begleiten der Gruppe eine anspruchsvolle Aufgabe für die Ehrenamtlichen. Das Einbeziehen der Angehörigen sowie die Vernetzung und Kooperation im Quartier setzt Wissen, Weitblick und Feingefühl voraus. Insgesamt betrachtet stellt dieses Projekt einen wichtigen Schritt in Richtung inklusive Gesellschaft dar, d.h. Teilhabe und Miteinbeziehung aller Menschen im Quartier.

Erste Erkenntnisse

Hilfreich war eine Liste mit allen Institutionen, Gruppen und Einrichtungen, die mit der Zielgrupp ein irgendeiner Weise in Kontakt stehen. Den persönlichen Kontakt zu den richtigen Ansprechpartnern zu erlangen um das Projekt vorstellen zu können, war aufwendig aber sehr erfolgreich. Es ist hilfreich, Infomaterial (Flyer, Infoblatt etc.) bereitzuhalten und Gesprächspartner als Multiplikatoren und Netzwerkpartner zu gewinnen. Auch ein regelmäßiger Kontakt hat dazu beigetragen, im Gedächtnis zu bleiben und das Projekt zu verankern.

Hilfreich war es auch, das Projekt regelmäßig in der Lokalzeitung erscheinen lassen, z.B. durch einen Tag der offenen Tür, der Suche nach Ehrenamtlichen, bei öffentlichen Fortbildungen oder Vorträgen.

Präsenz zeigen in der Öffentlichkeit: mit der Gruppe regelmäßig rausgehen, sich zeigen, gespräche führen, Flyer von TeilnehmerInnen oder Ehrenamtlichen verteilen lassen.

Was wir aus heutiger Sicht anders angehen würden:

  • Gestaltung der Flyer:
    Keine große Auflage am Anfang, besser kleine Auflage und später, wenn das Projekt läuft, Verbesserungen einarbeiten und dann erst größere Auflagen drucken lassen
  • Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter:
    Genug Zeit einplanen für persönliche Gespräche mit den freiwillig Engagierten – dies führt zu mehr Sicherheit bei den Engagierten und dient der Identifizierung mit dem Projekt.

Die Werbung um freiwillig Engagierte darf nie einschlafen, da Ehrenamt heute nicht mehr kontinuierlich sondern häufig temporär ausgeübt wird.

Kontaktdaten

Diakonisches Werk Freiburg i. Br.
Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC)

Maienstraße  2
79102 Freiburg im Breisgau

Einrichtungsleitung
Bertram Goldbach
Telefon: 0761/7677277
E-Mail schreiben

 

Projektleitung Arbeit mit Senioren
Anja Pokorny
Telefon: 0761/7677277
E-Mail schreiben

Pressemappe

Alle ausführlichen Projektinfos finden Sie hier!