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Begleitung von der Klinik nach Hause
zum Koffer ein- und auspacken und in die Reha

Beste Genesung zu Hause – Brücke aus der Klinik in den Alltag

„BesTe Genesung zu Hause“ erleichtert alleinlebenden Menschen den Übergang von einem Klinikaufenthalt in ihren Alltag zu Hause oder in eine Anschlussheilbehandlung. Durch eine zeitlich begrenzte Unterstützung soll trotz fehlendem sozialen Umfeld und beschwerlichem Gesundheitszustand eine gute Versorgungsstruktur und eine eigenständige Lebensführung gewährleistet werden.

Dazu übernehmen bürgerschaftlich Engagierte über einen Zeitraum von maximal vier Wochen die Rolle, die sonst Angehörigen zukommt: Aufmunternde Gespräche, persönliche Begleitung und erste Hilfestellungen in der häuslichen Umgebung.

Ausgangssituation

Unterschiedlichste Formen der Unterstützung im Alltag von älteren Menschen – praktische Hilfe in organisatorischen Dingen wie Unterstützung bei der Haushaltsführung oder auch Rat, Zeit und Informationen – werden im Bedarfsfall von Angehörigen oder anderen gut funktionierenden Netzwerken erbracht. Heute leben jedoch immer mehr Menschen alleine und haben keine verbindlichen Bezugspersonen, die ihnen im Notfall Unterstützung und Sicherheit bieten können. Nach einem Klinikaufenthalt werden Patienten aufgrund des Kostendrucks nach einer Behandlung immer schneller wieder aus der stationären Versorgung im Krankenhaus entlassen. Durch diese Praxis entsteht eine Versorgungslücke, wenn es in die eigene Häuslichkeit zurückgeht – eine Drehtür, welche die Patienten mangels einer abschließenden Gesundung erneut in der Klinik als Patienten auftauchen lässt.

Ziel des Projektes

Der Besuchsdienst begleitet die Patienten im Übergang in die Häuslichkeit. Potentielle Patienten werden vom Sozialdienst der Klinik ausgewählt und gezielt auf die Begleitung angesprochen. Der Besuchsdienst findet in der Klinik statt, es folgen regelmäßige Besuche mit einem offenen Ohr für Fragen oder Sorgen. Die Begleitung des Genesungsprozesses gehört dabei genauso dazu wie ganz praktische Alltagshilfe: Einkäufe für die ersten Tage, vor der Rückkehr in die Häuslichkeit die notwendigsten Dinge in der Wohnung der Patienten zu erledigen.

Was wurde erreicht

Es wurde zunächst ein Anforderungsprofil für freiwillige Mitarbeiter erstellt. Die Grundqualifizierungen zur Vorbereitung auf ihr Amt wurden gemeinsam mit interessierten Freiwilligen beteiligungsorientiert entwickelt und zusammengestellt. Mit Informationsveranstaltungen und Infomaterial wurden bürgerschaftlich engagierte Menschen gesucht, die sich gerne beteiligen wollten.

Ende 2013 – nach der ersten Qualifizierungsrunde – nahmen die frischgebackenen freiwilligen BegleiterInnen ihre Arbeit auf. Erfahrungen aus den ersten Einsätzen und Begleitungen wurden gesammelt und ausgewertet.

Im Juli 2014 wurde das Angebot ausgedehnt auf Kurzzeit- und Reha-Einrichtungen. Seit November 2014 gibt es in Kooperation mit dem DRK in Nürtingen ein Parallelangebot. Dadurch kann der Großraum Kirchheim/Nürtingen abgedeckt werden. Auch der Ausbau der Kooperationsstruktur mit dem Klinikum Nürtingen und dem DRK Nürtingen wurde umgesetzt. Auch im Altenhilfenetzwerk Ostfildern wurde das Projekt vorgestellt, dort befindet sich die 3. Kreisklinik, auf die das Angebot ggf. ausgeweitet werden soll.

Neben den laufenden Begleitungen wurde das Projekt weiter in wichtigen Gremien wie dem Gemeinderat und dem Ausschuss des Landesseniorenrats vorgestellt. Auch fachliche Austauschtreffen mit ähnlichen Projekten sowie ein Ausbau der Fortbildungsreihe standen auf dem Programm. Es kamen einige Anfragen von anderen Kommunen – auch bei verschiedenen Veranstaltungen wie z.B. den „Innovationstagen in Ettlingen“ oder bei der Jahrestagung des Landesseniorenrates und bei den Bildungstagen des Kreisseniorenrats Schwäbisch Hall sowie beim Fachtag „getup“ in Hessen wurde das Projekt vorgestellt.

Die Leitlinien und Arbeitsvereinbarungen wurden überarbeitet. Eine zweite Schulungsreihe wurde Ende 2104 erfolgreich durchgeführt.

Was ist geplant

Weitere Austausch- und Vernetzungstreffen, Vorstellung in Gremien und auch der Bericht im Gemeinderat sind geplant. Aktuell laufen Gespräche für mögliche Kooperationen, um die Weiterführung des Besuchsdienstes nach Beendigung des Modellprojektes zu sichern. Parallel wird eine Checkliste zum Auslegen in Arztpraxen erstellt. Die Kliniken haben bereits angefragt, ob eine Weiterverwendung des Flyers in der Klinik möglich ist.

Innovationspotential

Innovativ ist das branchenübergreifende Konzept zwischen Kreiskliniken und Bürgerschaftlichem Engagement im ambulanten Bereich sowie die enge Verzahnung durch Erstbesuche in der Klinik, die Anpassung an die Kliniktaktung, enge Rückbindungen und sorgfältige Schnittstellenarbeit. Das Angebot ist unbürokratisch, schnell in der Begleitung und flexibel in Einsatzzeit und -dauer.

Erste Erkenntnisse

Ein offizieller Abschluss der Begleitung durch die Projektkoordination ist wichtig. Es entstehen häufig persönliche Beziehungen, die auf diese Weise klar getrennt werden können. Die BegleiterInnen werden dadurch offiziell ihres Amtes „enthoben“, alles danach ist privat. Die Begleitung ist eine dankbare Aufgabe und durch die freie Zeiteinteilung auch eine zeitgemäße Form des Ehrenamts. Die Engagierten bekommen direkte Rückmeldung und spüren, dass sie Gutes tun.

Freiwillig Engagierte wollen keine Bezahlung für ihr Engagement und sollen auch keine Geschenke annehmen, während die Patienten gerne etwas geben würden. Eine gute Lösung ist z.B. die Übernahme von Benzinkosten für gemeinsame Ausfahrten durch die Patienten. Dies vermittelt beiden Seiten ein gutes Gefühl ohne unangenehme Momente.

Häufig bleibt es bei Erstgesprächen, da plötzlich zeitliche Ressourcen im eigenen Umfeld frei werden, die sich zuvor nicht abzeichneten. Das ist schade für die BegleiterInnen, aber eine schöne Entwicklung und ein Gewinn für alle Seiten innerhalb der Familie oder der Nachbarschaft.