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"Nicht die Betreuer garantieren die gesellschaftliche Teilhabe,
das können nur Bürger"


Franz Schweitzer
Vorstand Behindertenstiftung Tannenhof Ulm

Geistig behindert und alt - eine doppelte Herausforderung!

Menschen mit geistiger Behinderung wollen dazu gehören, wollen teilhaben am „ganz normalen“ Leben um sie herum. Wenn sie älter werden, haben sie – wie viele andere auch – mit zunehmenden altersbedingten Einschränkungen in ihrem Alltag zu kämpfen. Sie sind doppelt, aufgrund ihrer Behinderung und ihres Alters, zunehmend auf Unterstützung und Begleitung angewiesen.

Aber: Sie wollen nicht nur umgeben sein von „Helferprofis“, sie brauchen Freunde und Nachbarn. Auf der anderen Seite stellt für viele sogenannte „nichtbehinderte“ Menschen „Geistige Behinderung“ eine große Hemmschwelle dar. Zu ungewohnt, scheinbar zu fremd erscheint vieles. Genau hier setzt das Projekt der Behindertenstiftung Ulm an: Es schafft nachbarschaftliche Begegnungs- und Erfahrungsmöglichkeiten zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung, dort, wo sie gemeinsam leben, nämlich in ihrem Stadtteil.

Ausgangssituation

Im Ulmer Stadtteil Wiblingen leben über 15 000 Menschen, davon ist ein Viertel im Alter von 60 Jahren und darüber. Dazu zählt auch eine ganze Reihe an Menschen mit geistiger Behinderung, die entweder dezentral in mehreren Wohnungen oder stationär in der im Stadtteil Wiblingen gelegenen Einrichtung „Tannenhof Ulm“ leben. Die meisten dieser
Menschen leben seit über 30 Jahren im Stadtteil und haben häufig kaum (noch) Angehörige und vielfach ganz wenig soziale Kontakte in die Nachbarschaften und in den Stadtteil hinein. Sie sind Wiblinger Bürger und Bürgerinnen, aber im konkreten Alltag sind sie eben wenig „beteiligt“, bisweilen nicht einmal „sichtbar“.

Die Behindertenstiftung wurde 1998 von den Eltern eines geistig behinderten Mannes als rechtlich eigenständige Gemeinschaftsstiftung errichtet. Ihr satzungsgemäßer Zweck ist es, behinderte Menschen, die im Stadtteil Wiblingen leben in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe zu unterstützen.

Ziel des Projektes

Die Behindertenstiftung hat sich zum Ziel gesetzt, mit verschiedenen Aktivitäten einerseits den Sozialraum stärker für die Belange „seiner“ behinderten Mitmenschen zu sensibilisieren und andererseits verschiedene konkrete „Teilhabe- und Begegnungsangebote“ für Menschen mit und ohne Behinderung zu etablieren.

Was wurde erreicht

Die Aktivitäten und Angebote reichen vom Stadtteilbüro als Beratungsstelle und offenen Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung, über einen „Inklusiven Kegelclub“ und eine „LEA-Lesegruppe“ (LEA = Lesen Einmal Anders) bis hin zu einem Nachbarschaftsnetzwerk für individuelle Begleitungen und Besuche.

Konkrete Einzelbeispiele gelungener Inklusion sind die regelmäßige Teilnahme eines behinderten Mannes am Schularbeitskreis
Politik der örtlichen Schule oder der enge Kontakt einer alleinlebenden älteren Frau, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann, mit einer behinderten Frau aus dem Stadtteil, die zu Besuchen kommt und regelmäßig den Hund ausführt.

Was ist geplant

  • • Dauerhafte Etablierung des Stadtteilbüros als Treff und Anlaufstelle sowie fürÖffentlichkeitsarbeit
  • Dauerhafte Weiterführung des Kegelklubs und der Lesegruppe
  • Auf- und Ausbau des Nachbarschaftsnetzwerks sowohl mit Einzelpersonen, als auch mit den Organisationen und Vereinen im Stadtteil (Kirchengemeinde, Nachbarschaftshilfeverein, Freiwilligenagentur, Volkshochschule)
  • Auf- und Ausbau der Kooperation mit dem Schulzentrum vor Ort(Einbeziehung jüngerer Menschen)
  • Präsentation einer Fotoausstellung „Teilhabe konkret“ mit Fotos/Situationen/Personen aus dem Stadtteil im Bürgerzentrum des Stadtteils

Innovationspotential

Das Innovationspotential des Projekts liegt insbesondere darin, dass konkrete Begegnungsmöglichkeiten im Alltag eines Sozialraums geschaffen werden, damit prinzipiell alle Menschen im Sozialraum als Mitbürger und Nachbarn wahrgenommen werden können. Dies bezieht sich sowohl auf individuelle Begegnungen und Kontakte als auch auf Begegnungen in Gruppen, genauso wie bei Veranstaltungen und Festen im Sozialraum.

Erste Erkenntnisse

Was hat sich bewährt und/oder was ist wichtig?

  • dauerhafte und regelmäßige Präsenz an einer zentralen Stelle (Stadtteilbüro) mitverschiedenen Aktivitäten und Angeboten im Sozialraum.
  • Möglichkeiten informeller Begegnungen mit Freiwilligen
  • Verzicht auf „klassische Schulungen“, stattdessen individuelle und intensive Begleitung/Beratung zusammen mit regelmäßigen Gesprächskreisen für alle Freiwilligen.
  • Angebote für gemeinsame Aktivitäten der Freiwilligen zu Themen, die gerade nicht mitdem eigentlichen Engagement zu tun haben (z.B. Besuch eines Kunstmuseums).
  • Organisation eines Austauschprozesses zwischen Freiwilligen und professionellen Helfern und ggf. eine Vermittlung bei Konflikten.

Was hat sich nicht bewährt?
Der Versuch alle Freiwilligen als „eine Gruppe“ zu entwickeln, ist ab einer gewissen Gruppengröße nicht (mehr) zielführend.

Kontaktdaten

Behindertenstiftung
TANNENHOF Ulm

Saulgauer Str. 3
89079 Ulm

Franz Schweitzer
Telefon: 0731/4013261
E-Mail schreiben

Karin Hanekamp
Telefon: 0731/4013491
E-Mail schreiben

Pressemappe

Alle ausführlichen Projektinfos finden Sie hier!