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Pluspunkt Alter

Die Bürgerstiftung Wiesloch wurde 2006 als Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet. Sie erarbeitet seit 2011 Projekte zum positiven Umgang mit dem demografischen Wandelim Schwerpunktthema Pluspunkt Alter. Bei allen Projekten geht es darum, Eigeninitiative und freiwilliges Engagement zu fördern, die Lebensqualität zu verbessern und den Austausch und ein positives Miteinander der Generationen zu unterstützen. Einige der entstandenen Projekte haben das Ziel, Einsamkeit zu mildern, andere adressieren das Thema Demenz und als neuster Baustein wurde eine Patientenbegleitung aufgebaut.

Ausgangssituation

Der Projektgedanke wurde beim Runden Tisch der Seniorenarbeit der Stadt Wiesloch in 2011 zur Bedarfsklärung vorgestellt. Gemeinsam mit den Institutionen der Seniorenarbeit wurden die Prioritäten für freiwilliges Engagement festgelegt, aus denen dann die erwähnten Projekte hervorgingen. Jährlich wird dem Runden Tisch über den aktuellen Stand berichtet und weitere Ziele werden diskutiert. Die Projekte entstehen aus ganz konkreten Bedarfen und sind jeweils mit starken Kooperationspartnern vor Ort vernetzt. Die entstandenen Projekte treten nicht in Konkurrenz zu bestehenden Angeboten.

Ziel des Projektes

Mit freiwilligem Engagement sollen dort neue Angebote geschaffen werden, wo bisher ein Versorgungs-Defizit besteht. Dabei wird gemäß den gemeinsam im Runden Tisch der Seniorenarbeit der Stadt Wiesloch definierten Prioritäten vorgegangen. Aus verschiedenen Bausteinen entsteht ein sich gegenseitig stützendes und ergänzendes Netzwerk an Angeboten, die auf starken Kooperationspartnerschaften aufbauen.

Was wurde erreicht

Einsamkeit
Zum Thema Einsamkeit mildern wurden die Projekte "Zeitgeschenk", "Mein Hund – Dein Freund", "Bücher auf Rädern" und "Singen im Park" etabliert. Die ersten drei sind Besuchsangebote mit jeweils leicht unterschiedlichem Ansatz. Während im "Zeitgeschenk" man bei den regelmäßig wöchentlichen Besuchen gemeinsam das tut, woran die Parteien Freudehaben (spazieren, Kaffee trinken, ein Buch schreiben, Schach spielen, ...), lebt "Mein Hund – Dein Freund" davon, dass Hunde wesentlicher Teil der Besuchsteams sind und auf ihre ganz eigene Weise einen Beitrag zur Kommunikation leisten. "Bücher auf Rädern" ist für Menschen, die nicht selbst zu Bibliothek gehen können, und versorgt sie mit den gewünschten Medien. Bei "Singen im Park" treffen sich Jung und Alt, um in einem Park gemeinsam beliebte Lieder zu singen. An vier Donnerstagen im Juli singen jeweils bis zu 170 BürgerInnen gemeinsam Volkslieder und alte Schlager. In 2014 wurde erstmalig dazu ein Fahrdienst angeboten. Alle vier Angebote sind gut etabliert.

Patientenbegleitung
Ein weiterer Baustein startete im Januar 2014: Die "Patientenbegleitung" bietet Ansprechpartner auf Zeit an für Menschen, die krank werden und niemanden an ihrer Seite haben, der sie unterstützt. Das Angebot war ursprünglich rund um einen Krankenhausaufenthalt und den damit verbundenen Unterstützungsbedarf konzipiert. Es hat sich jedoch weiterentwickelt, weil die Praxis zeigte, dass auch im ambulanten Umfeld ein großer Unterstützungsbedarf vorliegt. Die ersten Rückmeldungen zeigen eine positive Resonanz auf das Angebot der Patientenbegleitung.

Demenz
Unter der Leitung der Kirchlichen Sozialstation Wiesloch wurden Laienhelfern für die Betreuung von Menschen mit Demenz ausgebildet, wodurch zusätzliche ambulante Angebote wie auch Betreuung zuhause möglich wurden. Die freiwilligen Helfer unterstützen dabei die hauptamtlichen Kräfte. In der Initiative "Demenzfreundliches Wiesloch" wird mit Institutionenvor Ort gemeinsam daran gearbeitet, über das Thema Demenz zu informieren und für einen verständnisvollen Umgang mit den Betroffenen zu sorgen. Im März 2015 wurde das Thema in einem Aktionsmonat mit vielen verschiedenen Formaten der Öffentlichkeit in Wiesloch näher gebracht und erfuhr große Resonanz.

Generationenforum
Über ein eigens gestaltetes Internetforum werden interessante Ideen veröffentlicht und finden Mitstreiter. Hier seien zwei kurz erwähnt: Ein Test der Barrierefreiheit von Arztpraxen durch gemischte Teams von Senioren und Jugendlichen fand statt. Die gewonnenen Informationen sind eine wesentliche Ergänzung des neuen Ärzteverzeichnisses der Stadt. Ein Angebot zum Ausprobieren moderner Kommunikationstechnologie stellte jeweils für drei Monate je fünf Seniorinnen und Senioren Tablet-Computer mit Internetzugriff zur Verfügung und unterstützte sie beim Ausprobieren der Möglichkeiten dieser Technik.

Was ist geplant

Alle Angebote sind gut etabliert und werden weiterhin Bestand haben. In einigen Fällen übersteigt die Nachfrage bereits die Kapazitäten. Hier werden neue Freiwillige angeworben und auf ihre Aufgaben in bewährter Form vorbereitet. Für das jüngste Projekt, die Patientenbegleitung, ist Ausweitung und Stabilisierung geplant. Hierzu dienen zum einen eine Pressekampagne und zum anderen die Vorstellung des Angebots im Netzwerk der Kliniksozialarbeiter, in den Kirchengemeinden und bei weiteren Multiplikatoren. In regelmäßigen Sitzungen des Lenkungskreises werden die Weiterentwicklungspotentiale der Angebote geprüft. Alle Teams führen eine Liste mit weiteren Ideen z.B. zum Thema Mobilität, die angegangen werden, sobald Kraft und Zeit dafür vorhanden ist.

Innovationspotential

Die Bausteine sind zum einen unabhängig angelegt. Sie haben jeweils ein eigenständiges Konzept, ein eigenes Führungsgremium und eine Taktung, die ihrem Entwicklungsstand entspricht. Andererseits sind alle Maßnahmen unter dem Dach von Pluspunkt Alter gebündelt, und der Informationsfluss zwischen ihnen ist organisiert. Hierdurch entstehen sowohl Synergien, indem z.B. Weiterbildungen gebündelt werden können, als auch Lerneffekte z.B. hinsichtlich der transparenten Budgetierung von Projekten.

Die Bürgerstiftung als Träger hat verschiedene Vorteile:

  • Sie ist unabhängig und neutral und kann damit alle Menschen anziehen.
  • Eine Stiftung ist für die Ewigkeit ausgelegt. Für die freiwilligen Helfer ist es wichtig zu wissen, dass hier nicht mit Aktionismus etwas aufgebaut wird, dass dann vielleicht nach einem Jahr aus Geldmangel eingestellt wird. Sie begreifen es als Chance, etwas aufzubauen, das weiterentwickelt werden kann, solange ein Bedarf da ist.
  • Viele Projekte der Bürgerstiftung haben sich zu sehr erfolgreichen Maßnahmen entwickelt, die seit Jahren Bestand haben und Gutes bewirken.

Bürgerschaftlicher Einsatz zugunsten des Gemeinwohls kann langfristig und nachhaltig nur gelingen, wenn die freiwilligen Helfer einerseits ein Tätigkeitsfeld finden, das ihren Motiven und Fähigkeiten sowie ihrem familiären und beruflichen Umfeld entspricht, und sie andererseits die Möglichkeit haben, sich nicht nur ausführend sondern auch gestaltend einzubringen.

Erste Erkenntnisse

Unser Vorgehen, zunächst mit den im aktuellen Themenfeld aktiven Instanzen zu reden, ihre Meinung zu erfragen und gemeinsam das weitere Vorgehen zu skizzieren, hat sich als zielführend erwiesen. Potentielle Konflikte entstehen erst gar nicht.

Schritt für Schritt vorzugehen, also zunächst mit einem Baustein anzufangen und erst wenn der stabil ist, den nächsten zu starten, erlaubt ein flexibles Timing. Neue Projekte können zudem von den Erfahrungen der älteren profitieren, weil sie in einem Netzwerk zusammengeschlossen sind.

Es gibt genug Menschen, die sich gerne freiwillig für einen sinnvollen Zweck engagieren, und einige legen besonderen Wert darauf, die Angebote selbst mitgestalten zu können. Durch die intrinsische Motivation (in unseren Projekten gibt es keine Aufwandserstattung) entsteht eine nachhaltige Kraft, die die entstandenen Maßnahmen langfristig vorantreiben kann.

Man braucht Geduld, denn manches dauert länger als man glaubt. Oft kann man die Adressaten von Angeboten nur schlecht direkt erreichen und es braucht Zeit, bis sie sich „überwinden“.