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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte und Engagierte,

die Standorte im Modellprojekt "BesT - Bürgerengagement sichert Teilhabe" sind tatkräftig am Werk, entwickeln ihre Projekte und können auch schon erste Erfolge und neue Kooperationspartner vorweisen.

So unterschiedlich die einzelnen Projekte im Hinblick auf vorhandene Infrastruktur oder menschliche Gegebenheiten vor Ort jedoch auch sind, eine Frage taucht bei allen Beteiligten immer wieder auf und betrifft nicht nur die Modellstandorte, sondern letztlich alle freiwillig tätigen: "Mit welcher Haltung nehmen wir unsere Aufgabe wahr - was ist unser Selbstverständnis". Dieser Frage gehen wir in diesem Newsletter nach.

Außerdem stellen wir Ihnen natürlich auch zwei weitere Projekte vor. Alle Projekte in der Übersicht finden Sie unter www.pflege-engagiert.de.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und freuen uns über Ihre Rückmeldungen zum Thema.

Herzlichst,
Ihr Best-Team
Martin Link, Petra Kümmel, Iren Steiner, Constanze Link und Karin Schwab

Leitlinien im bürgerschaftlichen Engagement

Eine sehr aktuelle Frage, die auch bei den Regionalgesprächen häufig zu hören war, lautet: "Mit welcher Haltung nehmen wir unsere Aufgabe wahr, was ist unser Selbstverständnis?"

Neben der Klärung einer möglichen Monetarisierung von Leistungen geht es z.B. auch darum, ob und wenn ja in welchem Umfang Geschenke angenommen werden dürfen? Wie sich freiwillig Engagierte verhalten können, um von Angehörigen nicht als Eindringlinge, sondern als Unterstützung und Entlastung gewertet zu werden? Und als weiterer wichtiger Punkt: Wie können auf gute Weise die Aufgabengebiete und Verantwortlichkeiten zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen geteilt werden?

Die Antworten darauf sind sicher so vielfältig wie die bereits erwähnten Gegebenheiten vor Ort - es gibt jedoch Leitlinien, die einen Einstieg erleichtern können. So hat sich z.B. der Landkreis Esslingen bereits im Jahr 1995 im Rahmen einer "Denkwerkstatt" mit den amerikanischen Volunteers-Grundsätzen beschäftigt, und sie "ins Schwäbische" übersetzt. Herausgekommen ist eine Liste mit acht Grundsätzen, nach denen im Landkreis Esslingen inzwischen mehr als 100 Initiativen arbeiten.

Die Volunteersgrundsätze des Landkreises Esslingen können Sie hier herunterladen.

„PAULA Pfullingens Alltagsunterstützung für das Leben im Alter und bei Behinderung“ Projektvorstellung Pfullingen

"Den nächsten Termin habe ich mir schon eingetragen und ich freue mich sehr darauf" sagt eine Teilnehmerin beim Nachbarschaftstreffen. Beim ersten Treffen waren es noch sechs Personen, zwischenzeitlich ist die Zahl beim dritten Treffen auf 20 Besucher und Besucherinnen angewachsen - Tendenz deutlich steigend. Aus dem ersten, vom Projektteam als Testlauf organisierten und beworbenen Treffen wird zwischenzeitlich ein fester monatlicher Treffpunkt, der von den Nachbarn im Quartier selbst organisiert und mit eigenen Ideen gefüllt werden soll. Jetzt sollen vier weitere Stadtteile von Pfullingen "in Betrieb" genommen werden. Der Rahmen ist schlicht: Tische und Stühle zu einer Tafel gestellt - Gebäck und Kaffee - mehr braucht man erst mal nicht um sich zu treffen und Menschen ins Gespräch zu bringen.

Das nachbarschaftliche Miteinander ist ein Herzensanliegen und der Kern des Projekts "PAULA" in Pfullingen. Es geht darum, aufeinander zu achten, voneinander zu lernen und nacheinander zu schauen - ganz unter Nachbarn und direkt im Straßenzug, im Stadtteil oder auch im Quartier.

"Miteinander mehr erreichen - lebendige Nachbarschaft" ist das Motto des Projektteams. Dahinter steckt jede Menge Pionierarbeit. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Suche nach geeigneten öffentlichen Treffmöglichkeiten und Plätzen, die sich auf Grund der fehlenden Infrastruktur gar nicht so einfach gestaltet. Aber nicht nur die Planung der Treffen - auch der gesamte Aufbau des Projekts ist ein spannender Prozess. Hinter dem Projekt stecken zwei Träger: Die Samariterstiftung Pfullingen und die Sozialstation der Diakonie. Im Vorfeld der eigentlichen Projektumsetzung galt es zunächst einen neutralen Arbeitsplatz zuzüglich notwendiger Büroinfrastruktur und damit eine Anlaufstelle für die Bürger zu schaffen. Und dann natürlich auch freiwillig engagierte Helfer zu gewinnen.

Nachdem die Nachbarschaftstreffen in einem Quartier von Pfullingen so gut ankommen, wurde in Pfullingen inzwischen ein zweites Standbein im Projekt aufgebaut: Der häusliche Besuchsdienst. Dieser ist gedacht für die Menschen, die aufgrund von Einschränkungen nicht persönlich zu den Treffen kommen können oder einsam sind und Mühe im Alltag haben. Aktuell wird ein Schulungsprogramm erarbeitet, das die Freiwilligen auf die Begegnungen im Besuchsdienst vorbereitet. Für die Schulung gab es insgesamt 13 Anmeldungen - eine bunt gemischte, multikulturelle und generationsübergreifende Gruppe. Das Bild des BesT-Reißverschlusses passt: Beide Standbeine - Besuchsdienst und Nachbarschaftstreffen - können verzahnt, weitere Netzwerkpartner wie Ärzte, Krankenkassen oder Apotheken ins Boot geholt werden und so als Multiplikatoren fungieren.

"Ein Grashalm wächst nicht schneller, wenn man daran zieht" Die Botschaft hinter diesem Sprichwort trifft auch auf das Projekt zu - und zwar im positiven Sinne. Die Überraschung, dass sich gleich zur ersten Schulung so viele Interessierte angemeldet haben, war groß in Pfullingen. In einem gesellschaftlichen Kontext, in dem man viele Angebote gleich "fertig" geliefert bekommt, nun selbst aktiv zu werden und sich zu engagieren - das ist nicht mehr selbstverständlich, sondern für viele neu und erfordert ein Umdenken. Beteiligung zu etablieren ist deshalb ein spannender, aber auch langfristig zu sehender Prozess. Eine Griechin, die sich als Freiwillige für den Besuchsdienst engagiert, bringt es jedoch auf den Punkt: "Das ist doch selbstverständlich, dass ich da mitmache - das kenne ich aus meinem Land auch, so entwickeln sich gute Nachbarschaften".

Schön zu sehen, dass der Grashalm tatsächlich wachsen kann.

„Pluspunkt Alter“ Projektvorstellung Wiesloch

"In unserer Patientenbegleitertasche sind alle wichtigen Dinge, die wir unterwegs brauchen könnten" freuen sich die frischgebackenen Patientenbegleiter und Begleiterinnen aus dem Wieslocher Projekt "Pluspunkt Alter". Neben Einmalhandschuhen im kleinen Verbandskasten über einen Ordner mit sämtlichen Arzt- und Notfalltelefonnummern oder Taxiunternehmen bis hin zu Infokarten über die wichtigsten Schritte vor, während und nach einem Krankenhausaufenthalt ist alles drin. Darüber hinaus haben die drei einen Erste-Hilfe-Kurs belegt und Schulungen zu unterschiedlichen Themen rund um das Alter besucht, wie z.B. Umgang und Kommunikation mit älteren Menschen, Merkmale und Anzeichen psychischer Belastungen oder auch der Umgang mit Trauer.

Gut vorbereitet und durchdacht geht damit mit der "Patientenbegleitung" das nächste Teilprojekt aus dem Wieslocher Modellprojekt "Pluspunkt Alter" in die Umsetzungsphase. Die Patientenbegleitung geht hier über die reine Unterstützung nach einem Krankenhausaufenthalt hinaus und bezieht bereits die Vorbereitung darauf mit ein. Neben den vier Krankenhäusern im näheren Umfeld wurden daher auch alle Ärzte in Wiesloch und den Teilorten persönlich besucht, über das Projekt informiert und mit Flyern ausgestattet. Der Hintergrund dazu ist einfach: Normalerweise haben die Haus- oder Fachärzte bereits ein Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten und kennen meist auch das familiäre Umfeld. Sie können also bei Bedarf Empfehlungen aussprechen und auf die Patientenbegleitung hinweisen. Die bisherige Praxiserfahrung zeigt, dass die Möglichkeit einer Begleitung nicht nur bei einem stationären Aufenthalt in Anspruch genommen werden kann: Auch bei einer ambulanten Chemotherapie waren die Begleiter schon an der Seite eines Patienten.

In einem weiteren Teilprojekt mit Namen "Zeitgeschenk" stellen rund 30 "Zeitschenker" ehrenamtlich ihre Zeit zur Verfügung und besuchen ältere Mitbürger entweder zu Hause oder in Pflegeheimen, um mit ihnen zu reden, zu lesen, Gesellschaftsspiele zu machen oder spazieren zu gehen - Dinge eben, die den Besuchten Freude bringen und die Zeit weniger lang machen.

Zwischenzeitlich kennt fast jeder in Wiesloch die Initiative "Pluspunkt Alter" - die vielen kleinen Bausteine des gesamten Modellprojekts sprechen auf unterschiedlichen Ebenen ein breites Publikum an. Vom gemeinsamen Singen bekannter Lieder im Park (im Sommer) bis hin zu einer mobilen Bücherei, die zu den SeniorInnen ins Haus kommt, gibt es viele Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren oder eben die vielfältigen Angebote in Anspruch zu nehmen. Die einzelnen Teilprojekte des Modellprojektes greifen ineinander und können optimal miteinander verknüpft werden: So wird aus einem Zeitgeschenk und dem daraus resultierenden Vertrauensverhältnis schon mal eine Patientenbegleitung, die später wieder in ein Zeitgeschenk übergeht.

Jedes Teilprojekt wird von einem eigenen Leitungsteam gesteuert, das in einem Flyer beschrieben und über eine eigene Telefonnummer und Email-Adresse gut erreichbar ist. Die Koordination der verschiedenen Bausteine erfolgt über einen gemeinsamen Lenkungskreis und die Webseite der Bürgerstiftung informiert ständig aktuell. Die Ehrenamtlichen bringen sich aktiv in die Gestaltung der Angebote ein. Vielmals wird auch unter den freiwilligen Helfern direkt weitergeworben. Menschen, die bereits freiwillig tätig sind, schwärmen ihren Kollegen vor, Nachbarn werden angesprochen und melden sich. Die Schulungen für die freiwillig Engagierten sind alle kostenlos und werden je nach Einsatz abgestimmt. Das Qualifizierungsprogramm darf auch wahrgenommen werden, wenn kein konkreter Einsatz gewünscht wird oder die endgültige Entscheidung über ein Engagement des "Antragstellers" noch offen ist.

Auch die Fürsorge und die Stabilität der Begleiter sind der Bürgerstiftung Wiesloch sehr wichtig: Jede Gruppe von freiwillig Engagierten trifft sich regelmäßig und tauscht Erfahrungen aus. In diesem geschützten Raum, in dem Vertraulichkeit gewährleistet ist, können Emotionen auf den Tisch kommen, die mit einem solchen Projekt Hand in Hand laufen. Man hilft sich gegenseitig, nimmt - wenn gewünscht - Supervision in Anspruch und bespricht gemeinsam Ideen für sinnvolle Weiterbildungen.

Erzählen Sie es weiter!

Wir freuen uns, wenn Sie durch diesen Newsletter einen kleinen Einblick in ein spannendes und wichtiges Projekt bekommen und freuen uns, wenn Sie den Newsletter weiterleiten und teilen.

Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen zu weiteren Themen auf, schreiben Sie uns eine E-Mail oder nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

Impressum

Anbieterangaben nach §5 Telemediengesetz (TMG):
Martin Link
Leiter des Paritätischen Bildungswerks LV Baden-Württemberg
Hauptstraße 28
D-70563 Stuttgart (Vaihingen)

Telefon: 0711/21 55-192
Telefax: 0711/21 55-190
E-Mail: info@bildungswerk.paritaet-bw.de
Internet: www.bildungswerk.paritaet-bw.de

Inhaltliche Verantwortung gemäß § 5 TMG:
Martin Link

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