header

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte und Engagierte,

langsam aber sicher nähert sich "BesT" dem Ende. Vieles wurde in den Standorten erreicht und konnte auch schon umgesetzt werden. Die erreichten Meilensteine aber auch wichtige Kooperationen und Projektansätze wurden am 15. Juni im Rahmen eines Fachtags präsentiert. Über 150 Interessierte aus Kommunen, Fachkreisen und Ehrenamt kamen ins "Häussler Bürgerforum" in Stuttgart Vaihingen, um sich über die Ergebnisse des "BesT" Modellprojekts zu informieren.

Die Projekte haben in den knapp drei Jahren Projektlaufzeit unterschiedlichste Initiativen zum freiwilligen Engagement im Vor- und Umfeld von Pflege entwickelt und aufgebaut. Im Rahmen des Fachtags wurden diese gewürdigt und der (Fach-)Öffentlichkeit präsentiert. Eine Talkrunde mit Sozialministerin Katrin Altpeter und dem Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd Richard Arnold sowie Impulsreferate beleuchteten das Thema des Tages aus unterschiedlichen Perspektiven.

In diesem Newsletter erwartet Sie - falls Sie nicht dabei sein konnten - ein Bericht über den Fachtag und seine Highlights. Die Ergebnisse der einzelnen Projekte finden Sie auch direkt auf der Webseiten der Standorte. Auch möchten wir Ihnen in dieser Ausgabe zwei weitere Standorte und ihr Projekt vorstellen.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Herzlichst,
Ihr BesT-Team

Anregende Beispiele fürs Ehrenamt: Der Fachtag "BesT - Bürgerengagement sichert Teilhabe" zeigt, wie es geht!

Für die Besucher war es zunächst ein ungewöhnlicher Auftakt: Statt musikalischer Einstimmung zu lauschen, wurden sie eingeladen, bekannte Melodien einfach mitzusingen. Durch das Singen altbekannter Lieder wie "Horch was kommt von draußen rein" und "Schön ist ein Zylinderhut" erhielten sie einen Eindruck dessen, was BesT ausmacht: Denn gemeinsames Singen ist ein Angebot, das gleich an mehreren Modellstandorten auf große Zustimmung und rege Beteiligung gestoßen ist. "'Nichtsingenkönnen' ist kein Hindernis, summen geht immer und macht gute Laune", erklärte Bruno Braig, der die Singenden auf der Gitarre begleitete - selbstverständlich ehrenamtlich!

Einer der Höhepunkte des Fachtages war die von Iren Steiner, von der Agentur "Pflege engagiert", moderierte Talkrunde mit Sozialministerin Katrin Altpeter und Schwäbisch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold. Im Gespräch ging es darum, das produktive Zusammenspiel von Landes- und kommunaler Ebene zur Förderung guter Rahmenbedingungen für Engagement im Umfeld häuslicher Betreuung und Pflege und von Wohlfahrtsmix aufzugreifen und aufzuzeigen, was schon alles geht - aber auch, was noch fehlt. Die Beispiele gelungener Praxis im BesT-Projekt zeigen, dass Anerkennung und Wertschätzung ganz wesentliche Wachstumsfaktoren für Engagement sind. Grundsätzlich braucht es gute Beispiele und Menschen, die bereit sind, Verantwortung und Fürsorge zu übernehmen. "BesT" hat in Punkto Ideenentwicklung einen soliden Grundstein gelegt und zeigt, dass es an vielen Stellen schon funktioniert, dass alle Seiten gleichermaßen im "Sinne der Sache" gut zusammenarbeiten und bereit sind, voneinander zu lernen.

Engagement unterschiedlich beleuchtet: mehr als nur statistische Auswertung

In einem Impulsreferat sprach Prof. Dr. Hermann Brandenburg von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar über die "Versorgung alter Menschen und deren Teilhabe am Leben als gesellschaftliche Herausforderung". Er ist der Meinung, dass die Lebensqualität von älteren Menschen und ihren Familien durch BesT gefördert werden kann - und zwar in einem sehr umfassenden Sinne: Sozial, psychisch und in Bezug auf Wohnräume. Somit schafft BesT einen Beitrag zu einem guten Altern und auch zur Förderung einer vernetzten Infrastruktur vor Ort. So schaffe BesT nicht nur ein neues Demokratieverständnis und biete Chancen zur Beteiligung der Bürger, sondern biete auch alten Menschen die Chance, ihre Ressourcen und Potentiale zu erhalten und zu nutzen. Er hob aber auch hervor, dass BesT auch auf individueller und gesellschaftlicher Ebene positive Auswirkungen zeigt. So wirkt sich freiwilliges Engagement nachgewiesener Maßen positiv auf die Stimmung und die körperlich-seelische Gesundheit aus. Darüber hinaus ist es wichtig, dass im Sinne einer humanen Gesellschaft aktive Solidarität geübt wird. BesT bezeichnete er in diesem Zusammenhang als gelungenen Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft, die das Alter(n) wertschätzt.

Prof. Dr. phil. Cornelia Kricheldorff von der Katholischen Hochschule in Freiburg berichtete über die wissenschaftliche Begleitung des Projekts und stellte die ersten Erkenntnisse und Ergebnisse ihrer Arbeit vor. So gibt es in Best drei typische Ausprägungen der Projekte: Trägerorientierte Freiwilligengruppen, Zusammenschlüsse von Freiwilligen mit kommunaler Steuerung und lokale Netzwerke mit informeller Streuung. So unterschiedlich die Projekte in ihrer jeweiligen Ausprägung sein mögen, die zentralen Herausforderungen sind an allen Standorten die Gleichen: Es geht um Netzwerkentwicklung, Monetarisierung im Freiwilligenbereich, die Erreichbarkeit neuer Zielgruppen oder auch die Nachhaltigkeit der Projekte. Je Standort wurde mehrfach telefonisch und per Fragebogen je ein Hauptamtlicher, ein freiwillig Engagierter und ein Kooperationspartner interviewt. Aus der Befragung ergab sich, dass z.B. keine konsequente Auseinandersetzung mit den Begriffen "Sozialraum" und "Quartier" stattgefunden hat. In der Konsequenz erschwert dies für alle Beteiligten die Mitwirkung, auch weil nicht klar ist, bei wem eine Zuständigkeit liegt. Grundsätzlich ist bei allen Standorten eine Entwicklung zu sehen, die klar zeigt, dass durch die Rückmeldung der Evaluation und in Begleitung mit der Fachberatung diese Themen aktiv angegangen und auch verbessert werden konnten. Prof. Kricheldorff bestätigt auch eine Erkenntnis der Talkrunde, dass nämlich für den Erfolg einer Initiative auch das Zusammenspiel zwischen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern entscheidend ist.

Von einer anderen Seite schaut Prof. Dr. phil. Ines Himmelsbach von der Katholischen Hochschule in Freiburg auf BesT: Sie machte deutlich, wie wichtig eine gute "Anerkennungs- und Wertschätzungskultur im freiwilligen Engagement" ist und was es dafür braucht. So zeigt sich eine Anerkennungskultur des Ehrenamts zum einen darin, dass Engagierte durch ganz konkrete Maßnahmen unterstützt werden, zum Beispiel durch zur Verfügung gestellte Räume oder kostenlose Fortbildungen. Zum anderen gehört aber auch die direkte und persönliche Anerkennung und Wertschätzung der gebrachten Leistung dazu. Diese äußert sich eben auch in angemessener Öffentlichkeitsarbeit, Festen, Ausflügen und Ehrungen für die Engagierten.

BesT ganz konkret: Einblicke in die Projekte

Konkrete Einblicke bot die Präsentation der Modellstandorte Ulm-Wiblingen, Kirchheim unter Teck und Pfullingen. Die Standorte stellten die jeweiligen Projekte vor und berichteten über Erfolge und Lerneffekte der letzten zweieinhalb Jahre. Franz Schneider von der Behindertenstiftung Tannenhof in Ulm-Wiblingen berichtet über die dortige Initiative, die sich für die Einbindung alter und geistig behinderter Menschen in den Stadtteil engagiert.

Das Projekt "Beste Gesundheit zu Hause - Brücke aus der Klinik in den Alltag" aus Kirchheim unter Teck wurde von Monique Kranz-Janssen vorgestellt. Die freiwillig Engagierten begleiten hier nach ihrer Qualifizierung allein lebende Menschen beim Wiedereinleben in den Alltag nach einem Krankenhausaufenthalt oder auch den Übergang in eine Reha-Behandlung.

"Paula" ist ein Projekt aus Pfullingen, dessen Ziel es ist, lebendige Nachbarschaft in den Stadtteilen zu fördern und so das Aufeinanderachten zu erleichtern. Britta Eichler und Claudia Gutzeit-Pfau berichteten über die bisherigen Veranstaltungen und die beiden Standbeine "Besuchsdienst" und "Nachbarschaftshilfe", die in Pfullingen aufgebaut werden konnten.

Ehrenamt mit einem zwinkernden Auge

Für Auflockerung und Erheiterung sorgte dann am Nachmittag die Senioren-Theatergruppe der Zehntscheuer Echterdingen "Nierosta". In ihren Sketchen spielten die rüstigen Senioren typische Szenen aus dem Umfeld vieler freiwillig Engagierter nach, die einen kurzen Einblick in die manchmal durchaus skurrilen Situationen zeigten, in die z.B. ein Besuchsdienst durchaus kommen kann.

Die zahlreichen am Rande stattfindenden Gespräche und das große Interesse der Teilnehmenden zeigten, dass große Bereitschaft herrscht, sich in Baden-Württemberg zu engagieren. Die im Modellprojekt entwickelten Ideen und Initiativen dienen deshalb auch als gute Beispiele, die zum Nachahmen anregen sollen.

Zum Nachlesen und Informieren
Alle Vorträge des Tages sowie Informationen und Kontaktdaten zu den einzelnen Projekten finden Sie im Web unter www.pflege-engagiert.de

„Inklusion und Demenz – Eine ungekannte Herausforderung“

...neulich beim Frisör im Quartier: Eine Teilnehmerin der Gruppe der Seniorinnen und Senioren möchte sich die Haare schneiden lassen. Die Friseurin lud spontan die ganze Gruppe in ihren Friseurladen ein mit der Begründung: Ich sehe Sie hier öfter vorbeilaufen und ich kenne Sie nur als Gruppe, also darf die ganze Gruppe beim Schneiden zuschauen.

Auch auf dem Quartierswochenmarkt im Frühjahr und Sommer ist die Seniorengruppe durch die regelmäßigen Besuche ein bekanntes "Gesicht". Dies fiel sogar dem Marktkoordinator auf und er lud die Gruppe offiziell zum 20jährigen Bestehen des Marktes ein und hielt am Festtag auch gleich einen zentralen Platz in der Mitte des Marktes für die Gruppe frei.

"Die Gruppe" - das sind Seniorinnen und Senioren mit und ohne geistige Behinderung. Sie sind die erste Generation von Menschen mit geistiger Behinderung, die nun das höhere Alter erreicht. Oft oder gerade wegen der geistigen Behinderung sind verstärkt auch Seniorinnen und Senioren von Demenz bedroht oder schon betroffen. Der "neue Personenkreis" - ältere Menschen mit einer geistigen Behinderung im Ruhestand - fordert neue Strukturen und stellt die Behinderten- sowie die Altenhilfe vor neue Herausforderungen.

Mit "BesT" werden in Freiburg Kontaktangebote für ältere Menschen mit Behinderungen und Demenz aufgebaut. An festen Tagen in der Woche treffen sich für drei Stunden feste Gruppen von Seniorinnen und Senioren mit und ohne geistige Behinderung und mit und ohne Demenz zu unterschiedlichen Freizeitaktivitäten. Es stehen barrierefreie Gruppenräume zur Verfügung, die für die Treffen genutzt werden können. Diese niedrigschwelligen Treffen finden außerhalb stationärer Wohneinrichtungen statt und werden durch freiwillige Mitarbeiter begleitet. So wird Zugehörigkeit zur Gemeinschaft außerhalb des gewohnten Betreuungsrahmens geschaffen und Teilhabe erlebbar gemacht.

Das wöchentliche Freizeitangebot beinhaltet neben Freizeitaktivitäten und dem Erhalt von Alltagskompetenz (z.B. Kochen, Tischdecken, Abwaschen) auch Themen aus der Gesundheitsförderung und Bildung (z.B. bei Ernährungsfragen oder Bewegungs- und Gedächtnistraining). Zudem wird eine Entlastung durch Fortbildungs- bzw. Informationsveranstaltungen privat pflegender Angehöriger angeboten.

Im Frühjahr wurde ein Frühstückstreff für pflegende Angehörige angeboten, zu dem auch die Freiwilligen und rechtlichen Betreuer eingeladen wurden. Das Treffen hatte das Ziel, Angehörigen und Betreuern eine Austauschplattform zu bieten und durch den Austausch mit den Freiwilligen über die Inhalte der Treffs zu berichten. Auch das Angebot am Mittwoch-/Freitagnachmittag wurde erweitert um ein monatliches Erzählcafe am Mittwoch und um eine Gruppe für Gedächtnistraining am Freitagnachmittag. Weitere Programmpunkte und Qualifizierungsmaßnahmen sind in Planung und werden Schritt für Schritt umgesetzt.

Das Projekt "Inklusion und Demenz" stellt besondere Ansprüche an die Gruppenarbeit sowie an das Ehrenamtsprofil. Diese gehen über das herkömmliche niederschwellige Freizeitangebot in der Behindertenhilfe hinaus. Für Freiwillige ist es unerlässlich, eine gute Qualifizierung zu durchlaufen, welche sich mit Themen wie Älter werden, Demenz, Umgang mit Sterben und Trauer, leichter Sprache, Rollstuhltraining und Biografiearbeit auseinandersetzt.

Informationen rund um den "Inklusion und Demenz" in Freiburg erhalten Sie bei: Anja Pokorny, Telefon: 0761/7677277 oder im Internet auf der Projektseite von Freiburg.

„Begleitetes Wohnen zu Hause“

"Mit der Hilfe von diesen lieben Leuten haben wir viel mehr Möglichkeiten, raus zu kommen und können immer noch fast selbständig unseren Alltag bewältigen", so A.G. 88 Jahre und G.G., 90 Jahre, ein Ehepaar, das noch zu Hause lebt.

Das Begleitete Wohnen in Forbach-Weisenbach ist zwischenzeitlich fester Bestandteil in der Seniorenbetreuung. Beispielgebend für dieses niedrigschwellige Hilfsangebot im ländlichen Raum des Nordschwarzwalds sind Hilfen für Einkauf in den örtlichen Geschäften, Arztbesuchen und kleinen Hilfen rund ums Haus. Kurz gesagt: Die Hilfen umfassen alle Anforderungen des Lebensalltags von einem gemeinsamen Gespräch, gemeinsamem spielen, Begleitdiensten, allgemeiner Beratung oder einem Spaziergang.

Zusätzlich zum gut nachgefragten regelmäßigen Begleitdienst werden zunehmend gelegentliche einmalige oder kurzfristige Hilfen benötigt und gewünscht. Veränderte familiäre Strukturen führen zu veränderten Bedarfen, die zu kurzfristigen Hilfen führen. Der Dichtungsring beim tropfenden Wasserhahn oder die defekte Leuchte sind im Alltag ein Handycap, dem schnell und unkompliziert abgeholfen werden kann. Ziel ist eine für sich "sorgende Gemeinschaft" von Bürgern für Bürger, ein offenes Bürgernetzwerk für die Ausgestaltung eines bedürfnisorientierten Angebotes. Das Hilfsangebot soll langfristig allen Menschen, nicht nur Senioren offenstehen, die Hilfe und Unterstützung auf einfache und unkomplizierte Weise benötigen.

Das "Begleitete Wohnen zu Hause" ist ein Pilotprojekt in Kooperation der Gemeinden Forbach und Weisenbach, der katholischen Seelsorgeeinheit Forbach-Weisenbach, der Sozialstation Forbach-Weisenbach und dem Landkreis Rastatt. Das Angebot ergänzt die vorhandenen Strukturen der Institutionellen Seniorenarbeit. Die Kirchen und die politischen Gemeinden unterstützen das Projekt durch aktives Werben und die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung sowie durch die Bereitstellung von Räumen für Beratung und Qualifizierung der Alltagsbegleiter.

Informationen rund um das "Begleitete Wohnen" in Forbach-Weisenbach erhalten Sie bei: Sabine Weiler, Telefon: 07228/960575 oder im Internet auf der Projektseite von Forbach.

Erzählen Sie es weiter!

Wir freuen uns, wenn Sie durch diesen Newsletter einen kleinen Einblick in ein spannendes und wichtiges Projekt bekommen und freuen uns, wenn Sie den Newsletter weiterleiten und teilen.

Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen zu weiteren Themen auf, schreiben Sie uns eine E-Mail oder nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

Impressum

Anbieterangaben nach §5 Telemediengesetz (TMG):
Martin Link
Leiter des Paritätischen Bildungswerks LV Baden-Württemberg
Hauptstraße 28
D-70563 Stuttgart (Vaihingen)

Telefon: 0711/21 55-192
Telefax: 0711/21 55-190
E-Mail: info@bildungswerk.paritaet-bw.de
Internet: www.bildungswerk.paritaet-bw.de

Inhaltliche Verantwortung gemäß § 5 TMG:
Martin Link

Sie sind mit der E-Mail-Adresse ###USER_email### bei uns eingetragen.
Sie wollen den Newsletter nicht mehr erhalten? Hier Newsletter abbestellen.