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Das war der Fachtag "Zukunftswerkstatt Selbsthilfe in der Pflege"

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte und Engagierte,

es freut uns sehr ihnen in diesem Newsletter von dem Fachtag „Zukunftswerkstatt – Selbsthilfe in der Pflege“ zu berichten.

Herzlichst,
Ihr Team der Agentur "Pflege engagiert"

Einleitung

Bis zum Jahr 2016 wurde unter dem Paragraph 45d im Sozialen Gesetzbuch (SBG) XI die Förderung von Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements in der Pflege und der Selbsthilfe in der Pflege geregelt. Seit 2017 wird die Förderung der Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements in der Pflege nach §45c Abs. 1 Nr.2, SGB XI gefördert und die Selbsthilfe in der Pflege nach §45d, SGB XI. Die Selbsthilfe in der Pflege bekommt damit mehr Aufmerksamkeit und ein eigenes Budget.

Im Fachtag „Zukunftswerkstatt – Selbsthilfe in der Pflege“ treffen sich Organisationen des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe tauschen sich aus, lernen voneinander und entwickeln neue Ideen.

In Baden-Württemberg wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen der Selbsthilfe in der Pflege gefördert, 2017 waren es 26 Initiativen. Es gibt interessante, gute und erfolgreiche Initiativen - diesen möchten wir mehr Beachtung schenken und sie als „best practice“ Beispiele anderen vorstellen. Wir wollen herausfinden, ob es Initiativen zur Selbsthilfe in der Pflege gibt, die noch nicht gefördert werden und die Anzahl der Beispiele erweitern. Auch neue Ideen und Konzepte für Selbsthilfe in der Pflege zu entwickeln ist eines unserer Anliegen.

Selbsthilfe in der Pflege findet unter dem Dach von Wohlfahrtsverbänden, in Kommunen und Landkreisen, in Bürgervereinen und Stiftungen, die auch bürgerschaftliches Engagement in der Pflege beheimaten, statt. Die vorhandenen Fördermöglichkeiten sind den Trägern weitestgehend bekannt, interessant sind jedoch neue Ideen und Konzepte. Selbsthilfe in der Pflege findet man aber auch unter dem Dach von Selbsthilfeorganisationen, denen die Fördermöglichkeit häufig noch unbekannt ist. Für diese Träger und Organisationen sind sowohl das Wissen um Fördermöglichkeiten und neue Ideen und Konzepte interessant.

Die Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfegruppen werden in der Regel über die gesundheitliche Selbsthilfe nach Paragraph 20 SGB V gefördert. Das Konzept für Selbsthilfe im gesundheitlichen Bereich (d.h. es finden sich Personen mit derselben Erkrankung und gründen eine Selbsthilfegruppe) unterscheidet sich zum Konzept der Selbsthilfe in der Pflege.

Bei dem Konzept der Selbsthilfe in der Pflege wird davon ausgegangen, dass Menschen mit Hilfe,- Begleitungs,- Betreuungs,- und Unterstützungsbedarf von Selbsthilfeaktivitäten profitieren können, benötigen jedoch Begleitung und Unterstützung um die Aktivitäten zu organisieren und zu moderieren. Sie benötigen u. a. auch Unterstützung z. B. im Bereich Mobilität.

Das spezielle Konzept und die Fördermöglichkeiten „Selbsthilfe in der Pflege“ stellte Herr Schmeiduch in seiner Präsentation vor. Frau Helms ging ganz konkret auf die Situation und die Bedarfe der pflegenden Angehörigen ein. Sie stellte die Wirkung der Selbsthilfe am Beispiel des Formats von Gesprächskreisen/Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige dar. Frau Emmert-Olschar nahm uns mit nach Berlin zu den „Kontaktstellen PflegeEngagement“ die ein Beispiel für erfolgreiche Selbsthilfe in der Pflege mit hauptamtlicher Unterstützung sind.

Präsentationen zum Download

"Neuer Blick auf die Selbsthilfe in der Pflege"
Peter Schmeiduch, Referat 33, Sozialministerium Baden- Württemberg

"Gemeinschaftliche Selbsthilfe pflegender Angehöriger - eine große Hilfe"
Ursula Helms, Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfe, NAKOS, Berlin

"Aktivierung von Selbsthilfepotentiale pflegender Angehöriger"
Stefanie Emmert-Olschar, Kontaktstellen PflegeEngagement, Berlin

Praxisbeispiele und die Bedeutung für Organisationen und Kommunen

von Petra Kümmel

Die Selbsthilfe in der Pflege wurde von 2008 bis 2016 im Rahmen des "alten" §45d SBG XI gefördert. "Selbsthilfe in der Pflege" war ein Bereich von insgesamt vier Handlungsfeldern. Nun hat die Selbsthilfe in der Pflege ein neues Gewicht. Es gibt zur Zeit 26 geförderte Initiativen in BW, wobei es einige Initiativen und Angebote der "Selbsthilfe in der Pflege" gibt, die bisher noch nicht gefördert werden.

Selbsthilfeinitiativen in der Pflege werden von hauptamtlichen Fachpersonal oder/und von Freiwilligen begleitet.

Unter den 26 geförderten Initiativen sind drei durch Hauptamtliche Fachpersonen begleitete Selbsthilfegruppen für Demenz, Depression und Suchterkrankung mit und ohne bürgerschaftlichem Engagement. Sechs ausschließlich von Hauptamtlichem Fachpersonal begleitete Selbsthilfegruppen in Form von Gesprächskreisen von pflegenden Angehörigen. Es gibt 17 Initiativen, die pflegende Angehörige in der Gruppe oder Einzeln begleiten. Dabei sind Hauptamtliche und bürgerschaftlich Engagierte tätig, sie setzten sich anwaltschaftlich für die pflegenden Angehörigen ein, informieren, organisieren Veranstaltungen und Entlastung für pflegende Angerhörige und bieten Bildungsangebote an (Pflegebegleiter - www.pflegebegleiter.de, Pflegelotsen, IspAn - www.ispan.de).

Mit der Förderung können Organisationen und Kommunen, bürgerschaftlich gestützte und hauptamtlich organisierte und begleitete Initiativen stabil verankern und ausbauen. Die kommunale Basisfinanzierung wird als Hürde wahrgenommen, es ist jedoch eine Chance, die Wahrnehmung und Unterstützung in der Kommune zu erhöhen. Für Kommunen sind diese Angebote ein wichtiger und wertvoller Fürsorgebeitrag für ihre BürgerInnen. Sie dienen der Prävention und helfen, dem Wunsch der Menschen nachzukommen, zu Hause gepflegt zu werden.

Wir sind am Beginn einer Entwicklung, in der sich Pflegeinitiativen und die Organisationen der Selbsthilfe Schritt für Schritt näherkommen, gemeinsam Ideen entwickeln und für Menschen mit Hilfe-, Begleitungs-, Unterstützungs- und Pflegebedarf weitere Angebote für Lebensqualität und Teilhabe schaffen.

Kurzberichte der Thementische

Begleitete Selbsthilfegruppen:

  • Die Zielgruppe für Selbsthilfe in der Pflege sind Menschen mit eingeschränkten Ressourcen für Selbsthilfe (im klassischen Sinn), die von Selbsthilfe profitieren.
  • Selbsthilfegruppen werden von hauptamtlichen Fachpersonen und/oder von bürgerschaftlich Engagierten begleitet und unterstützt. Z.B. Gruppen von Menschen mit beginnender Demenz, ältere Menschen mit Depressionen oder ältere mobilitätseingeschränkte Menschen mit einer Suchterkrankung.
  • Das Ziel ist der Austausch, die Ermöglichung von Teilhabe und die Verbesserung der Lebensqualität, soziale Kontakte und das Verbleiben in der eigenen Häuslichkeit.


Pflegende Angehörige:

  • Die Gruppe hat sich unterhalten, was eine Person zum pflegenden Angehörigen macht - es gibt keine allgemeingültige Definition. Pflegende Angehörige sorgen sich und übernehmen Verantwortung. Sie organisieren und managen die Situation, evtl. auch als gesetzliche Betreuung. Die pflegenden Angehörigen übernehmen aktiv Pflegeaufgaben. Es gibt Definitionen im Sozialen Gesetzbuch, vom Medizinischen Dienst und jede Person definiert die Rolle individuell.
  • Die bürgerschaftlich getragenen Initiativen z.B. Pflegebegleiter, Pflegelotsen oder IspAn Gruppen haben das Ziel, die pflegenden Angehörigen zu stärken, zu begleiten, zu informieren, bieten ihnen ein Kontaktangebot und vermitteln Hilfe. Sie gehen in die Öffentlichkeit und setzen sich für die Belange der pflegenden Angehörigen ein. Sie begleiten die pflegenden Angehörigen einzeln oder in der Gruppe in Form von Stammtischen oder Gesprächskreisen.
  • Gesprächskreise für pflegende Angehörige sind oft ein Teil des Angebots von Seniorennetzwerken und Sozialstationen.
  • Jede Initiative hat eine etwas andere Ausprägung, je nach den Möglichkeiten und Bedarfen vor Ort. Sie schenken ihre Zeit und Aufmerksamkeit. Die Lebensqualität und die Gesundheit der pflegenden Angehörigen steht im Vordergrund - nur wenn es den pflegenden Angehörigen gut geht - geht es auch dem zu Pflegenden gut.
  • Eine Pflegebegleiterinitiative ist in Migrantenorganisationen aktiv und begleitet pflegende Angehörige u.a. bei Behördengängen.


Bürgerschaftlich organisierte Pflege - Wohngemeinschaften

  • in dieser Gruppe gab es einen hohen Informationsbedarf über allgemeine Fragen zur Pflege WG.
  • Die Idee, das Bewohnergremium als Selbsthilfeaktivität zu verstehen, ist noch ganz am Anfang.


Vorstellung der Agentur Pflege engagiert

  • Fragen zu Förderkriterien, zur Antragstellung und der kommunalen Basisfinanzierung wurden beantwortet.
  • Erfahrungen mit den Förderverfahren und Ideen für Initiativen wurden ausgetauscht.
  • Vorhaben wurden verabredet.

Aussicht

Die Vertreter des Sozialministeriums, der Landesseniorenrat, die Agentur Pflege engagiert, die Organisationen der Selbsthilfe in der Pflege und die Organisationen der Selbsthilfe bleiben weiterhin im Gespräch, um Ideen zu entwickeln und die Fördermöglichkeiten zugänglich zu machen.


Fotos: Ulrich Greiner

Impressum

Anbieterangaben nach §5 Telemediengesetz (TMG):
Martin Link
Leiter des Paritätischen Bildungswerks LV Baden-Württemberg
Hauptstraße 28
D-70563 Stuttgart (Vaihingen)

Telefon: 0711/21 55-192
Telefax: 0711/21 55-190
E-Mail: info@bildungswerk.paritaet-bw.de
Internet: www.bildungswerk.paritaet-bw.de

Inhaltliche Verantwortung gemäß § 5 TMG:
Martin Link

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